Gran Canaria

Auf meinen Reisen entferne ich mich gern von touristischen Wegen und Plätzen, um möglichst auf interessante Geschichten zu stossen, so wie diese in Aguimes auf Gran Canaria.

Pancho Herrera Hernández ist der letzte Friseur in Agüimes. Seit über vierundfünfzig Jahren übt er sein Handwerk aus. Ein Vermächtnis seines Vaters, der das Geschäft wiederum von seinem Großvater übernommen hat. Während er einen seiner wenigen alten Kunden betreut, erzählt er mir mit Stolz zuerst von seinem Großvater und dann von seinem Vater Alejandro, wie er diesen Friseursalon übernahm und was für eine wichtige Rolle er damals im Ort und für die Gemeinschaft spielte. Abgesehen davon, dass er der einzige Friseur im Ort war, war er auch Zahnarzt und heilte Menschen mit natürlichen, pflanzlichen Produkten. Die Rezepte dazu wurden von seinem Großvater über seinen Vater an ihn überliefert. Es wurden Zähne gezogen, Haare geschnitten, Bärte rasiert, Warzen behandelt, das alles auf dem einen alten Friseurstuhl. Vor allem während der Viehmärkte, die ein paar Mal über das Jahr verteilt stattfanden, war der kleine Laden immer voll. „Bezahlt wurde mit Gemüse, Käse, Obst oder Fleisch, natürlich wurde immer verhandelt.“

Pancho öffnete eine alte Schublade und zieht eine Plastiktüte vom Supermarkt heraus. Ganz vorsichtig holt er aus der Tüte die kleine, in ein Stück Stoff gewickelte OP-Ausrüstung vom Großvater heraus.  Darunter befindet sich eine Glasspritze, wie sie früher üblich war, die von Patient zu Patient neu sterilisiert wurde. Ich brauche die Spritze Gott sei Dank nicht, bei mir kommt die alte Haarschere zum Einsatz, die tip top erhalten ist, denn ich bin jetzt mit meinem Haarschnitt dran.  Pancho legt mir die Schürze um den Hals und fängt an, mir mit leichter Hand die Haare zu schneiden.

Ein Schleier legt sich auf sein Gesicht, als er noch hinzufügt: „Ich denke, ich werde der letzte traditionelle Friseur in Agüimes sein. Nach mir wird nichts mehr so sein, wie es war. Ich habe zwei Töchter, die eine Hotelfachschule besuchen.  Die Kinder meiner ältesten Tochter wollen studieren. Beide haben kurze Zeit versucht, dieses Handwerk zu lernen, haben die Idee aber nach ein paar Tagen wieder aufgegeben um  weiter zu studieren.“